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Dienstag 31. August 2010

Rückblick auf die Anbausaison 2010

Dieses Jahr barg Riesenherausforderungen für die gemeine Spezies der Gärtner, Landwirte und Obstbauer. Die Herausforderung war teilweise so groß, dass manche Betriebsleiter sich anderweitig verdingen mussten, um über die Runden zu kommen und aus Gesprächen hört man allerorten Existenzängste.

Was ist im Einzelnen passiert, das solche Auswirkungen haben könnte, relativ unbemerkt vom nicht beteiligten Menschen?


Zunächst das lange kalte und nasse Frühjahr - wir hatten es schon fast vergessen. Die Befruchtung der Obstbäume war viel zu schlecht, denn den Bienen war es viel zu kalt. Wir haben Obstbauern, die deshalb 50 - 90 % weniger Ertrag haben als in anderen Jahren!

Die Bauern konnten nur wenige Tage und dann viel zu spät auf die Felder. Die termingerecht gelieferten Pflanzen stapelten sich auf den Höfen und konnten nicht ausgepflanzt werden.
Die sich anschließende, späte, urplötzlich einstellende Hochsommerphase war so heftig, trocken und heiß, dass nun wiederum viele Kulturen in der Sonne regelrecht verglühten. Die Regenmaschinen liefen ununterbrochen, um zu retten, was noch zu retten war.

Nach dieser Phase kam dann die jetzige Regenperiode. Die Ackerbauern konnten die Früchte nicht rechtzeitig ernten oder mussten feucht ernten, woraus wiederum hohe Trocknungskosten resultierten.
Das geerntete Getreide hat vieler Orten nur noch Futterqualität. Brotgetreide in guter Qualität ist rar. Teilweise wuchs das Getreide am Halm aus.

Durch den häufigen, zum Teil sehr ergiebigen Regen, konnten die Gemüsebauern die Herbstkulturen nicht pflanzen oder säen und wieder stapelten sich die Pflanzen. Fraglich, ob sie je geerntet werden können. Ein Kollege erzählte dieser Tage, dass er in den letzten 6 Wochen ganze 5 Tage auf die Felder konnte.

Vergangene Woche fielen in der Gärtnerei Ulenburg an einem Tag 130 mm Regen. Das ist ca. 1/5 der kompletten Jahresmenge auf einmal.  Von dort hätte der für diese Woche geplante Kohlrabi herkommen sollen. Kein anderer Anbauer konnte aushelfen, weshalb der Kohlrabi ins „Wasser fiel“.

Wie Sie sicher auch bemerkt haben, ist der Salat in den letzten Wochen leider sehr klein gewesen.
Einmal mussten wir gar komplett pausieren, weil er durch den vielen Regen mit dem Wachsen nicht hinterherkam. Bemerkenswert ist, dass die extremen Wetterbedingungen regional unterschiedlich ausfielen. Der Norden z.B. hat genügend Obst, hingegen Bioland Bauer Rudolph Speth aus Wackernheim mit dem Steinobst einen 90 %igen Ertragsausfall hatte.
Zudem mussten wir letzte Woche 400 kg einer geschmacklichen Supersorte des Schimmels wegen entsorgen. Die eilends nachgeerntete Sorte war leider etwas zu unreif und daher zu sauer. Das war ungeschickt...

Mit unserem eigenen Anbau hatten wir dieses Jahr Glück gehabt, denn wir haben von allen Sorten nur wenig angebaut und so das Risiko verteilt
Leider hat das die Vielfalt in der Kistenzusammenstellung etwas verringert:

In den vergangen Jahren gab es Mangold aus eigenem Anbau, doch dieses Jahr konnte kein Gärtner ausreichend Mangold liefern. Für die kommende Saison haben wir deshalb beschlossen wieder Mangold anzubauen.Eine in der Schweiz entdeckte schöne kompakte Sorte soll es sein.Wir freuen uns drauf.